Stella Hemetsberger könnte im Kampfsport-Olymp ihren zweiten WM-Titel holen. In knapp zwei Wochen steht für die Thaibox-Weltmeisterin das nächste große Duell an. Dabei wechselt die Salzburgerin die Disziplin und darf vor einem Millionenpublikum nach der großen Trophäe greifen.
Sie ist furchtlos, sie ist stark und sie ist Weltmeisterin: Stella Hemetsberger. Die Salzburgerin ist eine wahre Powerfrau und hat sich im September zur Thaibox-Weltmeisterin gekrönt. Fünf Monate später hat die 26-Jährige die nächste Chance, sich einen weiteren Gürtel im Strohgewicht zu schnappen. Denn Hemetsberger trifft im Rückkampf erneut auf ihre Finalgegnerin vom letzten Duell – allerdings im Kickboxen. Im Telefongespräch mit SALZBURG24 spricht sie am Dienstag über das Leben in Thailand, das Millionen-Publikum beim anstehenden Titelkampf und darüber, ob der Mega-Triumph ihr Leben verändert hat.
Weg von daheim, rein in Thailands Kampfsport-Elite
„Das Training läuft hervorragend. Ich befinde mich gerade in einer intensiven, zweimonatigen Vorbereitungsphase in Thailand für meinen nächsten Titelkampf“, so Hemetsberger gegenüber S24. Das Trainingspensum soll bei etwa 25 bis 30 Stunden pro Woche liegen. Unterstützt wird die 26-Jährige dabei von einem thailändischen Trainerteam, rund 8.700 Kilometer entfernt von der Heimat. Weit weg von ihrem gewohnten Umfeld liegt der Fokus ganz klar auf dem Spitzensport. „Natürlich vermisse ich meine Familie, Freunde und auch Salzburg. Aber mir gefällt es hier. In Thailand sind die Rahmenbedingungen für eine professionelle Vorbereitung ideal.“
Parallel zum Profisport absolviert die Spitzenathletin eine Ausbildung bei der Polizei, die sie noch in diesem Jahr abschließen möchte. Das Bachelor-Studium der Sportwissenschaften hat sie bereits in der Tasche – wie auch einen WM-Titel. Hat der Erfolg ihr Leben verändert? „Es sprechen mich zwar mehr Leute daheim darauf an und ein paar Menschen erkennen mich, aber ansonsten ist vieles gleich. Ich bin immer noch der gleiche Mensch. Es freut mich aber, dass unser Sport auch daheim Anerkennung findet, obwohl er nicht so hoch bewertet wird“, meinte Hemetsberger.
Wiedersehen im WM-Titelkampf vor Riesen-TV-Kulisse
Beim WM-Duell um den Kickbox-Gürtel im Strohgewicht am 14. Februar trifft sie erneut auf Jackie Buntan. Der Kampf findet im Lumpinee-Stadium in Bangkok statt, einer Arena für 5.000 Fans. „Da das Duell global und in den USA sogar auf Amazon Prime ausgestrahlt wird, ist die Bühne riesig. Die Brisanz ist hoch: Jackie ist die amtierende Kickbox-Titelträgerin und ich möchte mir nun auch diesen Gürtel holen.“
Die Zahlen von ONE Championship verdeutlichen, dass sich Hemetsberger auf einer bedeutenden Bühne bewegt. Gemäß offiziellen Berichten und Marktanalysen von Nielsen (Stand: 2025/2026) verzeichnen die Kämpfe von ONE eine regelmäßige Zuschauerzahl in Milliardenhöhe. In traditionellen Märkten wie Thailand erzielen Veranstaltungen dieser Art regelmäßig Top-Einschaltquoten. Kürzlich wurde seitens ONE für ein Großevent ein TV-Marktanteil von 5,01 Prozent vermeldet, was allein in Thailand etwa 2,8 Millionen Haushalten entspricht. Durch die Integration in das Prime-Abo von Amazon hat der Kampf theoretisch Zugang zu über 200 Millionen Abonnenten weltweit, wobei der Fokus der Live-Ausstrahlung stark auf Nordamerika (USA und Kanada) liegt.
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Für die Salzburgerin bedeutet der Wechsel zum Kickboxen eine technische Umstellung. „Schläge mit dem Ellbogen oder das sogenannte Clinching, also das Festhalten, sind hier nicht erlaubt.” Ihre Stärke sind Kicks, aber auch beim Boxen fühlt sie sich sehr wohl.
Stella Hemetsberger über Gehaltsgefälle im Kampfsport
„Den WM-Titel im Thaiboxen zu gewinnen, war ein unbeschreibliches Gefühl. Es ist das Höchste, was man in unserem Sport erreichen kann. Doch ich habe bereits das nächste Ziel vor Augen: Ich möchte Two-Sport World Champion werden.“
Auch wenn die TV-Reichweite in die Millionenhöhe steigt, gibt es weiterhin starke finanzielle Unterschiede im Kampfsport. „Diese sind nicht mit den Summen im klassischen Boxen vergleichbar und es gibt leider immer noch ein starkes Gefälle zwischen Männern und Frauen“, merkte Hemetsberger an.
Die Salzburgerin betonte zum wiederholten Male, dass sie das nicht des Geldes wegen mache. „Ich tue es, weil ich diesen Sport von Herzen liebe.“ Ihre Leidenschaft ist so groß, dass sie auch Verletzungen in Kauf nimmt. Den letzten Titelkampf beendete sie zwar mit dem Gürtel in der Hand, aber auch mit einer gebrochenen Nase. Die Weltklasse-Athletin würde diesen Preis wohl sofort wieder bezahlen, wenn sie Mitte Februar vor einer riesigen Bühne mit zwei Trophäen jubeln dürfte.
